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Hindenburg und Ludendorff am Kartentisch
Hindenburg mit Ludendorff am Katentisch, Gemälde von Hugo Vogel
Gemälde von Hugo Vogel

Generalmajor
Erich Ludendorff

Im Krieg

Westfront
Ihr folgte am 1. August der kurze Befehl: "Seine Majestät haben die Mobilmachung des Heeres befohlen, der 2. August 1914 ist der erste Mobilmachungstag".
Am 2. August fuhr Generalmajor Ludendorff zu seinem Bestimmungsort im Mobilmachungsfall nach Aachen zum Stab der 2. Armee. Hier nahm er, wie vorgesehen, die Stelle des Oberquartiermeisters ein. Oberbefehlshaber war General von Bülow, Chef des Stabes General von Lauenstein.
Er wurde zunächst als Verbindungsoffizier zu General von Emmich eingesetzt. Dieser hatte die Aufgabe mit 6 Jägerbrigaden (leichte Infanterie) die belgische Stadt Lüttich mit schellem Vorstoß zu nehmen. Daduch sollte den deutschen Truppen der Weg nach Belgien hinein freigemacht werden. Die Stadt war durch 9 vorgelagerte Forts geschützt. Diese galt es zunächt einzunehmen oder zu neutralisieren. Ludendorff war gerade bei der 14. Jägerbrigade, als deren Kommandeur, Generalmajor von Wussow, zusammen mit mehreren Offizieren und Soldaten fiel. Sie wurden von belgischer Artillerie mit Kartätschen beschossen. Mit verherender Wirkung, es gab 15 Tote und noch mehr Verletzte.
Ludendorff übernahm eigenmächtig das Kommando. Normalerweise übernimmt der Stellvertreter des Kommandeurs das Kommando. Die Einnahme der Stadt gelang auf Anhieb und Ludendorff nahm die "Zitadelle" (eines der 9 Forts) im Handstreich. Näheres hierzu auf der nächsten Seite unter "Lüttich"

Unter Hindenburg
Bei der 8. Armee in Ostpreußen wurde aus bekannten Gründen der Oberbefehlshaber, General von Prittwitz und sein Chef des Stabes, General von Waldersee, am 21. August 1914 abgesetzt und durch General der Infanterie von Hindenburg ersetzt. Als neuer Chef des Stabes wurde ihm Generalmajor Ludendorff zugeordnet. Sie führten die 8. Armee bei der Schlacht bei Tannenberg, an den masurischen Seen und in der Winterschlacht in Masuren.
Ludendorff blieb mit kurzer Unterbrechung die ganzen Kriegsjahre unter Hindenburg Generalstabschef beim Oberkommando Ost (kurz als "Ober-Ost" bezeichnet), das im Oktober 1915 in Kowno gebildet wurde und ab dem 29. August 1916 Generalquartiermeister bei der Obersten Heeresleitung.

Nach dem Krieg
Am 26. Oktober 1918 wurde Ludendorff auf Betreiben des neuen Kanzlers, Max von Baden, vom Kaiser entlassen, besser gesagt, er trat nach dessen Vorwürfen zurück, was auf das Gleiche herauskommt. Man warf der Obersten Heeresleitung vor, erst ein Friedensangebot an Präsident Wilsen zu verlangen und dann auf dessen Antwort hin dem Heer den Befehl zum Weiterkämpfen zu geben. Und das, ohne den Kaiser und den Kanzler zu konsultieren. Man hätte den Kaiser so in eine unmögliche Lage gebracht. Das war natürlich vorgeschoben. Ludendorff war das Bauernopfer. Den Rücktritt Hindenburgs lehnte der Kaiser ab.
Ludendorff ging nach Schweden. In Hessleholmsgård schrieb er das Buch "Meine Kriegserinnerungen". Im Frühjahr 1919 kam er wieder nach Deutschland. Er starb 1937 in München.
Im großen Ganzen muss man sagen, dass Ludendorff ein fähiger Offizier war. Er verstand sein Handwerk. Es gab keine unrealistischen Befehle von seiner Seite. Nur manchmal zu spontan und deshalb unausgereift. Getrieben durch seinen Übereifer gepaart mit Selbstüberschätzung (narzistische Persönlichkeitsstörung ?) geriet er immer wieder in Schwierigkeiten. Im Ruhestand versponn er sich immer mehr in Verschwörungstheorien gegen Deutschland. Er schreibt von "überstaatlichen Mächten" wie der Vatikan, die Juden und die Freimaurer, die lange vor dem Krieg die Vernichtung Deutschlands beschlossen hätten. Sein Vorgesetzter im Generalstab zu Friedenszeiten, General von Stein, wäre ein Freimaurer gewesen, den man eingeschleust habe, um ihn, Ludendorff, zu bekämpfen, weil er die Verschwörung erkannt habe. Auch General Moltke, dem Chef des Generalstabes, schrieb er okkulte Verbindungen zu.
1923 in München, beim Putschversuch der allmählich aufkommenden Nazis, maschierte er an der Spitze, um "Deutschland zu retten". 1925 ließ er sich als Kandidat der ultrarechten Splitterparteien zur Wahl des Reichspräsidenten aufstellen. Er bekam 1,7% der Wählerstimmen. Nachher wurde es ruhig um ihn. Noch nicht einmal die Nazis konnten mit ihm etwas anfangen. Er gründete eine heidnische Sekte und so ging es weiter mit seinem immer realitätsfremder werdendem Verhalten.
In einer Puplikation zum 20. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg, 1934, schrieb er: "Ich schlug die Schlacht in dem Gedanken, Ostpreußen zu retten .... und hielt die erfolgreiche Weiterführung des Vormarsches im Westen für gesichert. Ihm hatte ich durch die Einnahme von Lüttich freie Bahn gegeben." und weiter: "Immer größer war die Aufgabe geworden, die ich zufolge der Gestaltung der Kriegslage nach dem Sieg von Tannenberg im Osten zu erfüllen hatte. Ich löste die Aufgabe im Osten durch kühne Feldzüge mit starker Unterlegenheit gegen an Zahl überlegene Massen."
Kein Wort davon, dass er am 27. August 1914 dem Oberbefehlshaber der 8. Armee, General von Hindenburg, dringend empfahl die Schlacht abzubrechen und doch über die Weichsel zurück zu gehen. Nur auf Grund der Fliegermeldung, "mindestens zwei Divisionen im Anmarsch aus Richtung Angerburg", verlor er die Nerven und glaubte Rennenkampf setzt nun seine 1. russische Armee in Bewegung. Nur die ruhige Art Hindenburgs verhinderte Panik im Stab. Es stellte sich heraus, dass die Fliegermeldung übertrieben war. Es waren nur Bewegungen kleinerer Truppenteile.
Nun ja, man sollte seine soldatischen Leistungen achten. Die späteren egozentrischen Eskapaden könnte vielleicht ein Psychologe besser erklären. zum Anfang