Das Armee-Oberkommando war am 7. September von Allenstein nach Rössel verlegt worden, um das Zusammenwirken von Umfassung und Frontalangriff aus unmittelbarer Nähe leiten zu können. Als Generaloberst von Hindenburg am 8. September nachmittags den Befehl für den allgemeinen Angriff am nächsten Tag ausgab, hatte er folgendes Bild von der Lage:
An der ostpeußischen Südfront
standen auf russischem Gebiet längs der Straße Mlava - Chorshele - Myschinjez deutsche Truppen von der
35. Reservedivision und der 70. Landwehrbrigade. Vor ihnen hatte die Lufterkundung das Gelände bis zum Narew
vom Feind frei gemeldet. Nach Agenten-Nachrichten sollten Truppen von Warschau mit der Bahn nach Osten befördert worden
sein. Das bisher bei Warschau vermutete russische Gardekorps aber mußte nach eigener Meldung des deutschen
Landwehrkorps Woyrsch vor dessen Front in Südpolen angenommen werden. Vom Narew her schien also vorläufig keine Störung
bevorzustehen.
Vor der Front der Umfassungsgruppe
wurde dagegen am 8. September wie bisher nur die russische 43. Infanterie-Division vom II. Korps,
nunmehr mit beiden Brigaden, festgestellt.
Eine Bedrohung des deutschen Umfassungsflügels von Süden und Osten zeichnete sich dagegen immer deutlicher ab. Es lagen
Fliegermeldungen vor über die Konzentration russischer Truppen bei Schtschutschin und Grajewo. Während die bei Bialla
geschlagenen Teile der 1. und 3. finnländischen Schützen-Brigade nach Nordosten zurückgewichen waren, hatten die
Flieger jetzt neuen Gegner von Lyck im Marsch nach Nordwesten auf Neu-Jucha beobachtet. Man musste in der Südostecke
Ostpreußens zum mindesten das russische XXII.Korps aus Finnland, bestehend aus 4 Schützenbrigaden zu je 8 Bataillonen,
annehmen. Wahrscheinlich aber auch noch weitere neue russische Kräfte.
Nördlich der Seen
verhielt sich der Russe in seiner befestigten Stellung ruhig. Die starken Reserven bei Insterburg (ein Korps) längs der
Straßen zur Front waren am 8. September ebenfalls von Fliegern festgestellt worden. Agenten hatten in den letzten
Tagen bei Tilsit den Anmarsch von zwei weiteren Reserve-Divisionen (54. und 55.) beobachtet. Daher wurde auch mit der
Möglichkeit gerechnet, dass der Gegner mit seinem Nordflügel zum Angriff übergehen könne.
Das wirksamste Gegenmittel war rasche Durchführung des deutschen Angriffs auf dem Südflügel. Dafür wollte das
Armee-Oberkommando 8 alles einsetzen, was es zur Hand hatte. Die Abwehr der Bedrohung von Schtschutschin und Lyck
musste demgegenüber auch jetzt zurücktreten und sollte der Landwehr-Division Goltz überlassen bleiben.
Dieser Lage entsprechend wurde für den 9. September die 3. Reserve-Division, die man nicht bei Drygallen
sondern schon bei Klaussen annahm, auf Neu-Jucha angesetzt. So musste sie auf den in Anmarsch von Lyck gemeldeten
Gegner treffen.
Das I.AK sollte die Angriffsbewegung östlich des Goldapgar-Sees nach Norden fortsetzen. Dem Kommandierenden General,
Hermann von François, wurde die gesamte Kavallerie (2/3 1. und 8. Kavallerie-Division) unterstellt. Sie
sollte unter dem Befehl des Kommandeurs der 1. Kavallerie-Division, Gen.Lt. Brecht, am 9. September bei Widminnen
zu einem Kavallerie-Korps vereinigt werden und auf Goldap vorgehen.
Beiderseits des Mauer-Sees musste der Angriff des XVII. und XX. Armeekorps in Einklang gebracht werden. So wurde die
gegenseitige artilleristische Unterstützung über den See hinweg koordiniert. Das XVII.Korps hatte den Angriff nach
Norden gegen Possessern fortzusetzen und möglichst bald schwere Artillerie so in Stellung zu bringen, dass es den
Gegner des XX. Korps bei Angerburg im Rücken fassen konnte, während das XX. Korps selbst noch in der Nacht zum 9.
September von der Halbinsel Groß-Steinort her mit zwei 10cm-Batterien die feindlichen Stellungen westlich Possessern in
der Flanke fassen sollte. Dieses Korps hatte im übrigen den Angriff am 9. September mit starkem rechten Flügel
fortzusetzen.
Gegen die Ecke von Gerdauen sollten das XI. Armeekorps (aus der Westfront abgezogen) und das I. Reservekorps am 9. früh das Artilleriefeuer eröffnen, die Infanterie aber erst nach ausgiebiger Artillerie-Vorbereitung an die starke feindliche Stellung heranführen. Hier hatte man mit dem Angriff zunächst keine Eile. Es genügte, wenn man den Gegner an der Verschiebung von Reserven gegen den deutschen Umfassungsflügel östlich der Masurischen Seen hinderte. Der Sturm wurde daher erst für den 3. Angriffstag, den 11. September früh, in Aussicht genommen.
Weiter nördlich sollte das Garde-Reservekorps (auch aus der Westfront abgezogen) zusammen mit der Hauptreserve Posen
bei Allenburg nun doch am Angriff teilnehmen, dabei aber auch
"durch starke Staffelung links und starke Geländeverstärkungen stets bereit sein, einen feindlichen
Vorstoß auf seinem linken Flügel abzuwehren".
Nach Norden anschließend hatte die Festung Königsberg ihre nach Süden entsandten Kräfte (etwa 5 Bataillone, 2
Schwadronen, 10 Batterien) zwischen dem Waldgebiet des Frisching und dem Pregel gegen Tapiau vorzugehen und dem
Garde-Reservekorps zu unterstellen. Die Hauptkräfte der Festung aber blieben in Erwartung eines russischen Angriffs
hinter der Deime. Zur Verstärkung des Nordflügels entschloss sich das Armee-Oberkommando schließlich, auch noch die 20.
Landwehrbrigade (35.Reservedivision) von der ostpreußischen Südfront heranzuziehen.