Die russische Nordwestfront
Die Westgruppe der 8.Armee
Die Ostgruppe der 8.Armee
Die Operationen der russischen Nordwest-Front bis zum 26. August
Der Oberbefehlshaber der russischen Nordwest-Front (1. und 2. Armee), General Shilinski, hatte das Abdrehen der 2. Armee in nordwestlicher Richtung bisher nicht gebilligt und hatte den Vorschlag von General Samsonow vom 23. August, die Armee statt gegen Rastenburg - Seeburg gegen Allenstein - Osterode vorzuführen, abgelehnt. Am gleichen Tag erhielt er aber endlich die Meldung, dass die Deutschen die Schlacht bei Gumbinnen abgebrochen haben und auf dem Rückzug seien. Auch wurden Flüchtlingskolonnen der Zivilbevölkerung gemeldet. Man hatte den Eindruck, dass eine vollständige Räumung Ostpreußens im Gange sei.
Der Generalstab der Nordwest-Front hatte keinen Zweifel, dass die deutsche 8. Armee nunmehr im vollen Rückzug zur Weichsel sei, starke Teile schienen auch auf Königsberg zurück zu gehen.
Jetzt wurde der 2. Armee befohlen, den Deutschen den Weg zur Weichsel zu verlegen. Sie soll energisch gegen die Linie Sensburg - Allenstein vorgehen und diese bis 25. August erreichen. Die linke Flanke soll durch Staffelung geschützt werden und dazu das I.AK bei Soldau stehen bleiben.
Die 1.Armee (Rennenkampf)
rückte nach zwei Ruhetagen vom 23. bis 26. August etwa 80 km nach Westen vor. Sie fand die Flusslinie der Alle und Omet unbesetzt. Hier hatte Rennenkampf nochmals Widerstand erwartet. Er gelangte mit 9½ Infanteriedivisionen und jede Menge Kavallerie ohne Kampf im Norden an die Deime-Stellung und weiter im Süden bis zur Linie Allenburg - Gerdauen - Drengfurth.
Die 2. Armee(Samsonow)
erhielt den Befehl zum "energischen Vorgehen" gegen die Linie Sensburg - Allenstein am 23. August in Ostrolenka. Samsonov wollte seinen Vormarsch in der selben Breite wie bisher gegen die Linie Sorquitten (15 km westlich Sensburg) - Allenstein - Hohenstein fortführen. Auf dem rechten Flügel sollte die 4. Kavallerie - Division (KD) nach Sensburg einrücken, auf dem linken die 6. und 15. KD unter einheitlichem Befehl nach Locken (15 km nordöstlich Osterode)vorgehen. Von da sollte weiter gegen die Linie Heilsberg - Zinten vorgehend, dem "geschlagenen" und zurückflutenden Gegner der Rückzug verlegt werden.
Aus diesem großen Ritt der beiden Kavalleriedivisionen ist nichts geworden. Sie kamen am 24. August nicht über die Gegend von Usdau und Lautenburg hinaus.
Die 6.KDi
hatte nördlich Usdau im deutschen Artilleriefeuer kehrt machen müssen.
Immer mehr machten sich die Übermüdung der Truppen und Nachschubschwierigkeiten bemerkbar. Das XIII.Korps hatte in den 12 Tagen vom 13. bis 24. August 250 km zurückgelegt, meist auf Sandwegen in der Augusthitze. Das XV. Korps in 10 Tagen vom 14. bis 23. August 215 km und hatte dann gekämft. (Gefecht bei Lahna und Orlau) Die 3. Garde-ID (XXIII.Korps) war noch zurück.
Unter diesen Umständen sah der Chef des Stabes der 2. Armee, General Postowski, wie er dem beim Armee - Oberkommando anwesenden englischen Militärattaché General Knox erklärte, den Weitermarsch als "ein Abenteuer" an. Die Zeit für die Mobilmachung sei zu kurz gewesen, die Trains noch nicht heran, man hätte am 20. statt am 16. August antreten sollen.
General Samsonow teilte diese Auffassung und beantragte einen Ruhetag für seine Armee. Das Oberkommando der Nordwestfront (Shilinski) lehnte diese Bitte ab. Man rechnete nicht mit starkem Feind vor der Front. Ein Ruhetag könne erst gewährt werden, wenn die Linie Allenstein - Osterode erreicht sei, erst dann bedrohe man den Rückzug der deutschen 8. Armee zur Weichsel.
Am Morgen des 26. August stand das russische I. Korps, unter General Artamanow, mit vier Infanterie - Regimentern bei Usdau - Grallau und nordwestlich dieser Linie. Südlich davon sollten zwei Regimenter auf Heinrichsdorf vorgehen. Dort befand sich auch die 6. KD, an der Grenze südlich Lautenburg die 15. KD. Die 3. Garde-ID (XXIII.Korps) hatte Soldau erreicht, die 1. Schützen-Brigade war noch im Anrollen nach der Grenzstation Illowo.
Das XV.Korps, zusammen mit der 2.ID des XXIII. Korps, trat den Vormarsch in fünf Kolonnen an. Es erwartete den ersten Widerstand bei Nadrau und Paulsgut.
Vom Generalkommando des XV. Korps, unter Führung des Generals Martos, waren vom Westflügel beginnend angesetzt:
Die 2.ID vom XXIII.AK in zwei Kolonnen von Brigadestärke von Lippau beiderseits des Kownatken-Sees auf Mühlen und südlich. Der linken Kolonne (2.Brigade) sollten Teile der 3. Garde-ID später folgen.
Die 6.ID (ohne ein IR) von Frankenau über Waplitz auf Königsgut.
Die 8.ID, verstärkt durch ein IR der 6.ID, in zwei Kolonnen von Lahna über Nadrau auf Hohenstein und von Orlau östlich des Großen Maransen-Sees über Schlaga - Mühle auf Grieslienen.
Das XIII.Korps unter General Klujew erhielt den Armeebefehl erst um 10:00 Uhr und trat daher erst am Nachmittag an. Je eine ID marschierte westlich und östlich des Lansker Sees nach Norden.
Die russische Nordwestfront
Die Westgruppe der 8.Armee
Die Ostgruppe der 8.Armee
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Die Ostgruppei
Die Ostgruppe der 8. Armee hatte bis zum Abend das russische VI.AK geworfen. Der 1. Zusammenstoß fand südlich Bischofstein statt. Der Gegner war völlig überrascht und flutete Richtung Süden zurück. Er befand sich am Abend südlich Bischofsburg.
Nach dem am 25. August beim deutschen Oberkommando der 8. Armee (AOK 8) die Absichten Rennenkampfs (1. russische Armee)
bekannt wurdeni
(das IV. russische Korps sollte bis Gerdauen vorgehen, das II. nördlich der Masurischen Seen über Angerburg bis Rastenburg), wollte Generaloberst von Hindenburg zunächst die am nörlichsten stehende Division des XVII.AK (35.ID) zusammen mit der 1. Kavallerie - Division zur Deckung gegen die Armee Rennenkampf stehen lassen. Gen.Lt. von Mackensen sollte den Oberbefehl bekommen. Als aber zu erkennen war, dass Rennenkampf weit ab blieb und keine Anstalten machte zu folgen, befahl er am Nachmittag beiden Korps der Ostgruppe am nächsten Morgen "mit ganzer Kraft" gegen das VI. russische Korps vorzugehen.
Im Laufe des Tages waren aber auch die beiden kommandierenden Generale des I.RK und XVII.AK,
von Below
und von Mackensen, zusammengekommen, um gemeinsames Handeln zu vereinbaren. Danach sollte das I.RK gemeinsam mit der 6.LwBr westlich des Großen Lautern-Sees und des Daday-Sees angreifen, das XVII.AK östlich davon gegen die russische rechte Flanke.
Das I. Reservekorps (RK) lagerte seit dem Abend des 25. August nach langem Marsch mit beiden Divisionen bei Seeburg. Gen.Lt. von Below beabsichtigte von Seeburg in breiter Front auf Wartenburg zum Angriff vorzugehen. Dann konnte der Gegner (VI.Korps) gefasst werden, auch wenn dieser zur Vereinigung mit seiner Armee nach Westen weiter marschieren wollte. Wegen der Ermüdung seiner Truppe und um das Herankommen des XVII.AK abzuwarten, befahl er den Abmarsch erst um 10:00 Uhr.
Die 6.Landwehrbrigade (LwBr) war von Lötzen her bis Lautern zu ihm herangerückt. Sie sollte am Morgen näher an das I.RK heranrücken.
Das XVII. Armeekorps erreichte am Tag zuvor mit der 36.ID von Friedland über Schippenbeil die Gegend von Bischofstein nach einem 50 km - Marsch in glühender Augusthitze erst spät am Abend. Dahinter kam die 35.ID, weiter westlich ausholend, über Bartenstein bis Groß-Schwansfeld. General von Mackensen wollte trotz der großen Marschleistung seiner Soldaten so früh wie möglich aufbrechen. Dazu wollte er östlich der Seen in einer Kolonne über Lautern auf Bischofsburg marschieren. Man bewunderte die Kühnheit des Armee - Oberkommandos unter Generaloberst von Hindenburg, trotz der Gefahr durch die 1. russische Armee im Norden auch die letzte Infanterie - Division zur Entscheidung nach Süden anzusetzen.
Die 1. Kavallerie-Division (KD) war die einzige Truppe, die den Abzug der beiden Korps nach Süden gegen die Armee Rennenkampf im Norden deckte und zu verschleiern versuchte. Gen.Lt. Brecht versuchte das befohlene Ziel Gerdauen über Allenburg zu erreichen. Er wurde durch Flüchtlingskolonnen aufgehalten und blieb schließlich 12 km westlich Gerdauen.
Die russische 4. Kavallerie-Division hatte den Marsch deutscher Kolonnen durch Rastenburg nach Westen gemeldet. Unter Sicherung gegen diese Truppen stand General Blagowjeschtschenski mit seinem VI.Korps in der Nacht vom 25./26. August bei Rothfließ (4.ID) und Bischofsburg (16.ID). Fernaufklärung nach Norden wurde nicht durchgeführt. So blieb der nächtliche Anmarsch des deutschen XVII.AK den Russen verborgen. Nach einem Armeebefehl des General Samsonow sollte General Blagowjeschtschenski am 26. August unter Sicherung gegen Rastenburg nach Allenstein zur Armee heranrücken.
In den ersten Morgenstunden war die 6. LwBr nördlich des Großen Lautern-Sees im Abmarsch nach Westen, als die Vorhut des XVII.AK auf den Nordflügel der Sicherungen des russischen VI.AK stießen. Die ersten Meldungen über den Feind erhielt General von Mackensen vom Kommandeur der 6.LwBr, Gen.Mj. Krahmer, den er in Lautern traf.
Die vordere, 36.ID seines Korps war am 26. August nach kurzer Nachtruhe von Bischofstein aufgebrochen und wollte bei Lautern eine Rast einlegen. Da traf ihre Vorhut um 06:00 Uhr 3 km südlich des Ortes auf den schon entwickelten Gegner. Der Kommandeur der 36.ID, Gen.Lt. von Heineccius, entschloss sich mit Einverständnis des Generalkommandos, den Kampf bis zum Eintreffen der weiter hinten stehenden 35. Infanterie-Division (GenLt. Hennig) hinhaltend zu führen. In seiner Ostflanke machte sich zudem starke russische Kavallerie fühlbar. General von Mackensen setzte 35.ID unter weiter östlich auf Groß-Köllen an.
Um 10:00 Uhr lagen Fliegermeldungen vor, dass der Gegner nur östlich der Seenkette Großer Lauternsee - Bößauer See - Daddaisee stand. Inzwischen hatte das I.RK seine Bereitstellung westlich der Seen in der Linie Alt-Vierzighufen - Kirchdorf beendet. In Absprache mit General von Mackensen wollte General von Below nunmehr mit der Masse seines Korps den Marsch nach Süden fortsetzen, um südlich des Dadey-Sees gegen die hinteren Teile des Gegners einzuschwenken. Schwächere Kräfte sollten bei Groß-Bössau die linke Flanke des Gegners einstoßen.
Die russische 4.ID war durch den Anmarsch deutscher Kräfte von Norden völlig überrascht worden. Man glaubte zunächt, nur eine Flankensicherung der von Rastenburg westwärts marschierenden deutschen Einheiten vor sich zu haben. Der
russische Divisionskommandeuri
wollte sie angreifen und schob gleichzeitig eine Abteilung zur Deckung über Groß-Bössau nach Westen vor. Dadurch wurden immer mehr Teile des deutschen I.RK angezogen. Schließlich griff bei Groß-Bössau der Kommandeur der 36.Reserve - Division (RD), Gen.Mj. Kruge, mit dem größten Teil seiner Division und der 6.LwBr an. Der 69. Reserve - Brigade unter Gen.Mj. von Homeyer und der 6.LwBr unter Gen.Mj. Krahmer fiel die Hauptarbeit des Tages zu.
Bei Klein-Bössau wehrte sich der Gegner, den See im Rücken, bis zum äußersten. In verlustreichem Ansturm nahmen die pommerschen Landwehr-Regimenter 34 und 49 abends das Dorf. Mehrere hundert russische Soldaten wurden gefangen genommen und einige Geschütze erbeutet.
Inzwischen hatte die 1.RD am Südende des Daddei(Dadey)-Sees feindliche Truppen, die von Osten her vorgingen, zurückgeworfen. Es waren Teile der russischen 16.ID die dem Armeebefehl entsprechend nach Allenstein abmarschieren sollten.
Der russischen 4.ID war die Bedrohung ihrer Westflanke und ihres Rückens durch das I.RK seit dem Nachmittag bewusst. Gleichzeitig litt ihre gegen das XVII.AK stehende Front unter dem starken Artilleriefeuer der Deutschen. Der Kommandeur der deutschen 36. Feldartillerie - Brigade, Gen.Mj. Hahndorff, leitete das Artilleriefeuer zentral aus 88 Geschützen.
Am späten Nachmittag begannen die russischen Einheiten auf der ganzen Front zurückzugehen. Der erst spät einsetzende Infanterieangriff der 36.ID (XVII.AK) traf auf verlassene feindliche Stellungen.
Das I.RK konnte 1700 Gefangene machen und erbeutete
8 MG's und 30 Geschütze.i
Unter dem Eindruck der Niederlage seiner 4.ID gab General Blagowjeschtschenski den Marsch auf Allenstein auf und ging mit seinem ganzen Korps über Bischofsburg nach Süden zurück. Ob die 4. Kavallerie-Division am Kampf beteiligt war, ist nicht sicher bekannt.
Der 26. August verlief für die Ostgruppe der deutschen 8. Armee erfolgreich. Die Kühnheit der Armeeführung, gegen Norden schwach abzusichern um gegen das VI. russische Korps im Süden sicher erfolgreich zu sein, schuf die Vorraussetzung, die Ostgruppe der 8. Armee in den Rücken der 2. russischen Armee zu bringen. Der Anfang der Zangenbewegung war gesetzt. Nun kam es noch darauf an, ob das I.AK unter General von François 80 km weiter südwestlich bei Usdau am nächsten Tag der Durchbruch gelang.