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Gefecht bei Tallupönen

Die Schlacht bei Gumbinnen

20. August 1914
Im Vorfeld der Schlacht bei Tannenberg

Das Gefecht bei Stallupönen

General von François hatte noch in der Nacht Meldung über starke feindliche Ansammlungen bei Wischtynjez erhalten und darufhin am Morgen vor seiner Abfahrt aus Insterburg die Bereitstellung der 2. ID bei Tollmingkehmen befohlen. Er ließ seinen Generalstab in Insterburg zurück. Als er am Vormittag in Bilderweitschen eintraf, entwickelte sich dort gerade der feindliche Angriff.
Der Divisionskommandeur, Generalleutnant von Conta, hatte die ruhenden Truppenteile alarmiert. Die 2. Brigade unter Oberst Paschen sollte südlich der Bahnlinie, die 1. unter Generalmajor von Trotha nördlich davon vorgehen.
Der Gegner führte bis Mittag immer stärkere Kräfte ins Gefecht und drohte beide Flügel der Division zu umfassen. Südlich des rechten Flügels, bei Dupönen, war er im Vorgehen nach Westen. Die 2. Brigade hatte nur noch zwei Bataillone des Grenadier - Regiments König Friedrich Wilhelm I. Nr. 3 einzusetzen. Zusammen mit der 1. Abteilung des Feldartillerie - Regiments 52 brachten sie die Umfassungsbewegung der Russen zunächst zum Stehen.
Der linke Flügel der Brigade mußte durch Teile der 1. Brigade verlängert werden. Beiderseits der Bahnlinie klaffte in der Front der 1. Division eine cirka 5 km breite Lücke. Dem Feind blieb dies jedoch verborgen, denn er drang hier nicht ein. Teile der 1. Brigade hielten weit vorgeschoben die Vorpostenstellungen bei Bilderweitschen. Von da bog die Frontlinie in westlicher Richtung nach Degesen zurück. Der Feind ging gegen diese Front über Tarpupönen und westlich zur Umfassung vor. Trotz der schwierigen Lage war Generalleutnant von Conta entschlossen, den Kampf durchzufechten.

Von Süden her waren inzwischen Teile der 2. Infanterie - Division im Anmarsch. Der Divisionskommandeur, Generalleutnant von Falk, hatte mit der 4. Brigade bei Tollmingkehmen das Heranrücken seiner bei Goldap stehenden 3. Brigade erwartet. Er hatte Meldungen vom Anmarsch des Gegners aus Richtung Wischtynjez auf Tollmingkehmen. Da er aber gleichzeitig den Gefechtslärm im Norden hörte, faßte er eigenverantwortlich den Entschluß, östlich Tollmingkehmen nur schwache Kräfte stehen zu lassen. Hinter diesen Sicherungen vorbei marschierte er selbst mit allem was er zur Hand hatte (4 Bataillone, 1 Schwadron, 5 Batterien) der 1. Infanterie - Division zu Hilfe nach Nordosten ab.

Erneuter Armeebefehl

Gegen Mittag traf ein neuer Befehl des Armee - Oberkommandos bei General François ein. Generaloberst von Prittwitz hatte durch Munitionsanforderungen für die schwere Artillerie des I. Armeekorps von dem Unternehmen am 15. August gegen Kibarty - Wirballen erfahren und daraus ersehen, daß General von François nicht nur mit Vortruppen, sondern mit einem großen Teil seines Korps, entgegen den ausdrücklichen Befehlen der Armee, den zugewiesenen Aufmarschraum verlassen hatte. Um Klarheit zu gewinnen, rief der Oberbefehlshaber am 17. August früh beim Generalkommando des I. Armeekorps in Insterburg an und verlangte Auskunft über die Aufstellung der Divisionen. Jetzt erst wurde ihm klar, daß das ganze Korps dicht an der Grenze steht; 40 km vor der Front der noch nicht einmal voll versammelten übrigen Korps.
Dadurch wurde der bisherige Operationsplan des Armee - Oberkommandos in Frage gestellt. Wenn es jetzt beim I. Armeekorps zum Kampf kam, war es nicht möglich, ihm rechtzeitig zu helfen. Von Prittwitz befahl daher, "das Korps ist sofort in den Raum von Gumbinnen zurück zu nehmen und es hat sich in kein Gefecht einzulassen. Falls schon ein Gefecht im Gange, ist es abzubrechen."
Mit diesem Befehl suchte der 1. Generalstabsoffizier des Korps, Major von Massow, den Kommandierenden General auf. Er fand ihn etwa um 14:00 Uhr beim Stab der 1. Infanterie - Division am Südrand von Stallupönen. Von François, der in den nächsten Stunden das Eingreifen seiner 2. Infanterie - Division und damit den Sieg erwartete, wies ihn unter diesen Umständen ab. Major von Massow meldete dem Armee - Oberkommando, daß General von François zur Zeit nicht in der Lage wäre, den Befehl auszuführen, da die 1. Infanterie - Division bereits im Kampf stehe. Das war die erste Nachricht, die das Armee - Oberkommando von dem Gefecht erhielt.

Auf dem Südflügel

Von François hatte sich inzwischen zu den anrückenden Truppen der 2. Infanterie - Division auf dem Südflügel begeben. Hier erwartete er die Entscheidung des Tages. Als er dort eintraf, war der Sieg bereits errungen, denn schon vor dem Eingreifen der 2. Infanterie - Division war das 3. Grenadier - Regiment unter Oberst von Wedel zum Angriff übergegangen. Der rechte Flügel des Infanterie - Regiments 43 hatte sich angeschlossen. Der Gegner, gleichzeitig durch den Anmarsch von Süden bedroht, wich zurück, konnte sich dem Stoß der von Generalleutnant von Falk herangeführten 4. Infanterie - Brigade nicht mehr entziehen. Dieser Stoß brachte den russischen Südflügel vollends zum Einsturz. Die deutsche Infanterie setzte den Angriff bis zur Dunkelheit fort und erreichte die Linie Pötschlauken - Skarullen.
So war der Gegner abends südlich der Eisenbahn geworfen. Die russische 27. Infanterie - Division (III. Korps) ging unter schweren Verlusten über die Grenze zurück.

Auf dem Nordflügel

der 1. Infanterie - Division war der Kampf weniger glücklich verlaufen. Beiderseits Bilderweitschen war man dem starken russischen Druck nach und nach gewichen. Bei Bilderweitschen selbst hatte sich weit vor der Front das 3. Bataillon des Infanterie - Regiments von Boyen Nr. 41, Major Schmidt, mit zwei Kompagnien und zwei Batterien vom 1. ostpreußischen Feldartillerie - Regiment Nr. 16 trotz aller russischen Anstürme bis zur Dunkelheit gehalten. Dann mußte auch er unter Zurücklassung von sieben Geschützen den Rückzug antreten. Der hartnäckige Widerstand dieser kleinen Abteilung hatte aber den übrigen Truppen die Möglichkeit gegeben, sich nordöstlich von Stallupönen neu zu ordnen. Der Gegner drängte hier nicht mehr nach.

Die 1. Kavallerie - Division

der außer den entsandten Aufklärungs - Schwadronen ein ganzes Regiment fehlte (Kürassier - Regiment 5 war zunächst im südlichen Grenzschutz beim XX. Armeekorps verwendet und noch nicht heran), hatte noch weiter nördlich vor der feindlichen Übermacht weichen müssen. Der Gegner schien beiderseits des Schorellener Forstes herumzufassen. Der Divisionskommandeur, Generalleutnant Brecht, sah nunmehr seine Aufgabe darin, die linke Flanke des I. Armeekorps zu decken, und ging zunächst bis Jentkuntkampen zurück. Nachmittags ließ er hier nur Sicherungen stehen. Die Division selbst ging hinter den Flügel der 1. Infanterie - Division nach Kattenau, wo Roß und Reiter in den Anlagen des Rominte - Depots zur Ruhe übergingen. Der Gegner aber holte auf dem Nordflügel immer weiter aus. Kussen (10 km westlich Pillkallen) wurde abends von ihm besetzt gemeldet.

Nächster Befehl

General von François hatte sich nach dem Sieg auf dem rechten Flügel sofort wieder zur 1. Infanterie - Division begeben. Er stand unter dem Eindruck des auf dem Südflügel errungenen ersten größeren Erfolges. Hier war der Feind geschlagen, die eigenen Verluste gering, die 3. Infanterie - Brigade war noch gar nicht ins Gefecht getreten. Der Kommandierende General sowie der Kommandeur der 1. Infanterie - Division waren überzeugt, daß es am folgenden Tag gelingen werde, die Lage auf dem Nordflügel zum Guten zu wenden.
Inzwischen aber war ein neuer Befehl des Armee - Oberkommandos eingetroffen, das Gefecht sei "auch wenn Waffenerfolg" abzubrechen.
Schweren Herzens folgte General von François abends dieser Weisung und trat noch in der Nacht den Rückzug an.

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