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I.Armeekorps - 31kb

Die Schlacht bei Gumbinnen

20. August 1914
Im Vorfeld der Schlacht bei Tannenberg

Das Problem mit
General von François

Der Stoß gegen die 1. russische Armee (Njemen-Armee) konnte nicht beliebig weit nach Osten geführt werden. Den Gegner außerhalb der deutschen Grenzen anzugreifen, verbot sich selbst bei größter Kühnheit wegen der Gefährdung der rückwärtigen Verbindungen durch die 2. russische Armee (Narew-Armee) aus Richtung Süden. So mußte man wohl oder übel warten bis die Njemen-Armee in erreichbare Nähe kam und die mit solchem Abwarten verbundenen Nachteile in Kauf nehmen. Andererseits mußte der Schlag den Gegner vernichtend treffen, denn dann erst würde es möglich sein, sich mit ganzer Kraft nach Süden gegen die Narew-Armee zu wenden. Am günstigsten schien es dem Armee - Oberkommando, wenn es gelang, die Russen an der Angerapp anlaufen zu lassen und sie dann von Süden und Norden umfassend anzugreifen. Der Vorteil lag darin, dass im Anschluss nach Süden die Masurischen Seen Flankenschutz boten, zu deren Sicherung nur geringe Kräfte notwendig waren.
Je eher sie kamen, desto besser, denn viel Zeit war in der Lage der 8. Armee nicht zu verlieren. Auf diese Gedanken bauten sich die weiteren Maßnahmen des Armee-Oberkommandos auf.

Eine wesentlich andere Ansicht als das Armee-Oberkommando vertrat der in Friedenszeiten mit dem Grenzschutz im Osten betraute Kommandierende General des I.Armeekorps (AK), General der Infanterie Hermann von François. Seit gut einem Jahr hatte er sich als Kommandierender General in Königsberg mit der Frage beschäftigt, wie er den möglichen Feind im Falle eines Krieges abwehren könne. Die vom Großen Generalstab aufgestellte Anweisung für die Deckung des Aufmarsches der 8. Armee hatte ihn nun beauftragt, "die zur Sicherung seines Korpsbezirks erforderlichen Maßnahmen zu treffen".
General von François hatte sich dabei das Ziel gesetzt, die Russen trotz der großen Ausdehnung der Grenze schon an dieser abzuwehren. Dabei wollte er den Gegner, wo er sich auch zeigte, angehen, ihn womöglich schon in seinem eigenen Land abwehren. Das entsprach seiner geringwertigen Einschätzung des russischen Heeres wie seinem, in manchen Augen, übertrieben wirkenden Eifer. Es kam hinzu, daß die Anweisung des Generalstabs, einer gerade von ihm schon im Frieden ausgegangenen Anregung entsprechend, kurze Offensivstöße über die Grenze ausdrücklich empfahl. So sollten "in der Nähe der Grenze liegende feindliche Standorte, zum Beispiel Tauroggen und Wirballen, und die Grenzpostierungen tunlichst" angegriffen werden. Nach diesen Gesichtspunkten war General von François jetzt zu handeln entschlossen. Das I.Armeekorps (I.AK) hatte sich nach der Aufmarschanweisung bei Gumbinnen und Insterburg zu versammeln. Da aber General von François für die Zeit des Grenzschutzes außerdem das an der Angerapp aufmarschierende I. Reservekorps (RK) sowie 1. Kavallerie-Division (1.KD) und die 2. Landwehr-Brigade (2.L) unterstanden, sah er keinen Hinderungsgrund, den größten Teil seines eigenen Armeekorps zu Unternehmungen an der Grenze einzusetzen. Für den 9. August plante er einen Angriff mit der Masse des Korps gegen den Feind bei Wirballen. Die Truppen sollten dazu aus dem zugewiesenen Aufmarschraum gegen die Grenze vorverlegt werden.
Generaloberst von Prittwitz hatte von dieser Absicht schon am 6. August erfahren, am Tag bevor er den Oberbefehl übernahm. Er konnte die Absicht des Generals von François nicht billigen, denn das ging über den Rahmen eines Grenzschutz-Unternehmens doch weit hinaus. Das Korps schien mit dem Fortschreiten des russischen Aufmarsches einer Teilniederlage ausgesetzt. Durch einen Kampf des I.AK bei Wirballen konnte die ganze Armee, noch bevor sie versmmelt war, in nichtgewollte Bahnen gezogen werden. Von Prittwitz hatte daher durch die Direktive von 6. August allen Kommandierenden Generalen (Korpschefs) Änderungen des einmal befohlenen Aufmarsches untersagt. Am 7. August abends gab er an das I.AK außerdem noch den besonderen Befehl, bis auf weiteres "mit dem Gros unbedingt an der Angerapp" stehen zu bleiben.
Am 10. August hielt es der Oberbefehlshaber für nötig, General von François nochmals persönlich am Fernsprecher zu befehlen: "Vorbewegungen geschlossener Abteilungen gegen die Grenze über die Linie Gumbinnen - Goldap verbiete ich bis auf weiteres unbedingt"
Trotz der eindeutigen Weisungen des Oberbefehlshabers blieb von François bei seinen Absichten. Die Bereitstellung an der Angerapp und bei Gumbinnen - Insterburg schien ihm zuviel Land preiszugeben. Er wollte die seiner Meinung nach zu vorsichtige Armeeführung mit sich vorwärts reißen und begann daher sein ganzes Korps zum Schutz der Grenze bis an die Linie Goldap - Stallupönen vorzuschieben. Nur ein Infanterieregiment und Artillerie hielt er als "Gros" zurück. Dieses Verschieben des Korps wurde dem Armee-Oberkommando nicht gemeldet und ist ihm in seinem vollem Umfang erst am 17. August bekannt geworden.
Der Versuch des Generals von François, die tatsächliche Lage dem Oberkommando zu verheimlichen, brachte sein Generalstabschef, Oberst Freiherr Schmidt von Schmidtseck, in eine unmögliche Lage, denn dieser unterstand nicht nur dem Kommandierenden General, sondern gleichzeitig auch dem Chef des Generalstabes der 8. Armee. Er war daher verpflichtet, diesem über die Lage des Korps auf dem laufenden zu halten. Das Verhältnis zwischen dem Kommandierenden General und seinem Generalstabschef war deshalb äußerst gespannt. Das deutsche I.Armeekorps, verstärkt durch die 1.Kavalleriedivision und die 2.Landwehrbrigade, stand Mitte August mit seinem Gros nicht wie vom Armee-Oberkommando befohlen und angenommen, zwischen Gumbinnen und Insterburg, sondern mit der 2. Infanteriedivision bei Goldap (3. Infanteriebrigade) und Tollmingkehmen (4. Infanteriebrigade), mit der 1. Infanteriedivision bei Stallupönen und westlich, mit der 1. Kavalleriedivision bei Pillkallen, mit der 2. Landwehrbrigade bei Tilsit.
In Gumbinnen lag nur die schwere Artillerie. Das Generalkommando befand sich in Insterburg. Die 2. Landwehrbrigade hatte von Tilsit zwei Kompagnien mit dem Schiff!!! den Njemen aufwärts nach Jurburg in den Rücken der russischen Kavallerie entsandt. Sie trafen dort, ohne Feind gesehen zu haben, am 17. früh Morgens ein. Gleichzeitig sollte auch die 1. Infanteriedivision versuchen, durch einen Vorstoß von Süden her den Russen den Rückzug zu verlegen. Diese Pläne wurden jedoch durchkreuzt, denn am selben Morgen trat der Russe auf der ganzen Front von Suwalki bis Schillehnen den Vormarsch an.

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