Die Schlacht bei Gumbinnen
20. August 1914
Im Vorfeld der Schlacht bei Tannenberg
Das I. Reservekorps
Das
I.Reservekorps (RK) hatte am 19. August den ganzen Tag an der Angerapp geschanzt. Der Armeebefehl zum Vormarsch kam überraschend. Die Truppen wurden schnellstens verpflegt. Dann trat das Korps den Nachtmarsch an: Mit der 1.Reservedivision (RD) von Buddern auf Kleszowen, mit der 36.RD nördlich daneben.
Generalleutnant Otto von Below wollte seinen Auftrag, die südliche Flanke des XVII.AK zu decken, durch Angriff auf den im Marsch von Goldap nach Norden angenommenen Gegner lösen. Während des Vormarsches erwies sich die Nachricht, daß der Feind Kleszowen erreicht habe, als falsch. Er war nur bis Goldap gekommen.
An Hand dieser neuen Lage erteilte das Armee-Oberkommando dem I.RK die Weisung, es solle diesen Gegner nicht vereinzelt angreifen, sondern abwarten, bis Kräfte im Norden frei wären. Die Entscheidung dort sei zunächst das Wichtigste.
Am nächsten Morgen (20. August) gegen 8°° Uhr erreichte die 1.RD Kleszowen. Die 36.RD nördlich davon die Gegend bei Friedrichsberg / Königsfelde. Sie sollten sich hier zur Abwehr des Goldaper Feindes bereitstellen.
Von Below hatte nach Beratung mit seinem Stab vor, seinen beiden Divisionen den Weitermarsch nach Nordosten zu Befehlen, um in die Schlacht des XVII. AK einzugreifen. Zumal vom vermuteten Feind bei Goldap keine neuen Erkenntnisse vorlagen und die 3.RD (Armeereserve) weiter südlich im Anmarsch war.
(Dem I.Reservekorps standen keine Flugzeuge zur Verfügung, die Aufklärung wurde von der Korpskavallerie, bestehend aus 6 Reserve-Schwadronen, durchgeführt.)
Das Armee-Oberkommando war mit dieser Absicht des I. RK nicht einverstanden. Es hatte in den Morgenstunden durchweg günstige Nachrichten vom Kampf bei Gumbinnen und hielt das Eingreifen des I.RK nicht für nötig. Von den Fliegern des Armee-Oberkommandos lagen Nachrichten vor, daß bei Goldap und südlich etwa zwei feindliche Korps hielten. Es befahl daher dem I.RK bei Kleschowen und Königsfelde stehen zu bleiben.
Generalleutnant von Below hielt sein Korps um 10³° wieder an. Die 1.RD hatte mit der Vorhut gerade Gawaiten erreicht, die 36. Königsfelde.
Die 3.RD, als Armeereserve direkt der Armee unterstellt, war vom Armee-Oberkommando bei Benkheim ebenfalls angehalten worden. Zwischen ihr und dem I.RK bestand keine unmittelbare Verbindung.
In dieser Lage wurde das I.RK völlig überraschend von Süd-Osten her angegriffen.
Die russische 30.ID vom IV.Korps war am 20. August früh Morgens in zwei Kolonnen von Goldap auf Kleszowen und Gawaiten angetreten. Die russischen Marschkolonnen, die einen Abstand von 11 km zueinander hatten, trafen auf Anfang und Ende der zwischen diesen beiden Orten rastenden 1.Reservedivision.
Der Divisionskommandeur,
Generalleutnant von Förster
der sich westlich Gawaiten befand, konnte nur die Vorhut anweisen, diesen Ort zu halten.
Gleichzeitig traten die übrigen Truppen seiner Division bei Kleszowen selbständig, wo sie gerade waren,
in den Kampf. Sie brachten die Russen, die zunächst auch überrascht waren, zum Stehen und gingen ihrerseits zum Angriff über. Im Laufe des Tages konnte der Gegner im zähen Ringen um mehrere Kilometer zurückgedrängt werden. Der Divisionskommandeur wurde verwundet, konnte aber das Kommando beibehalten.
Die andere Division des I.Reservekorps, die 36.Reservedivision, wurde inzwischen von ihrem Kommandeur,
Generalmajor Kruge, auf Gawaiten angesetzt. Obwohl der Russe noch gegen Mittag Verstäkung durch ein Regiment
der 40.ID erhielt, gelang es auch hier, den Gegner zurückzudrängen. Die Russen unternahmen mehrere Entlastungsangriffe und es galang ihnen hier und da durchzubrechen. Ein Durchbruch auf breiter Front gelang jedoch nicht. Jedenfalls stand am Abend das I.RK in zwei völlig getrennten Gruppen südlich Kleszowen und östlich Gawaiten. Die Stimmung in der Truppe war gut, sie fühlten sich als Sieger. Ein wichtiger Faktor für weitere Operationen.