Für die Verteidigung des deutschen Ostens war im Jahr 1914 die 8. Armee vorgesehen. Der Kaiser bestimmte Generaloberst von Prittwitz,
bisher Generalinspekteur der 1. Armeeinspektion in Danzig, zum Oberbefehlshaber der 8. Armee. Zu ihm trat als Chef des Generalstabes
Generalmajor Graf von Waldersee,
bisher Oberquartiermeister im
Großen Generalstab.
Generalmajor Grünert
unterstanden als Oberquartiermeister alle Angelegenheiten, die nicht unmittelbar in das Gebiet der militärischen Operationen fielen.
Oberstleutnant Hoffmann,
ein guter Kenner der russischen Armee, der als Attaché zum japanischen Generalstab während des russisch - japanischen Krieges in Ostasien (1904/05) abkommandiert war, wurde als 1. Generalstabsoffizier Mitarbeiter und Berater des Chefs für alle operativen und taktischen Angelegenheiten.
Das Oberkommando der 8. Armee trat am 8. August in
Posen
zusammen. Generaloberst von Prittwitz übernahm den Oberbefehl und verlegte das Hauptquartier nach
Marienburg.
Das alte Ordensschloss, ehemaliger Hauptsitz des Deutschen Ritterordens, bot dort geeignete Räumlichkeiten.
Für die 8. Armee waren zunächst nur Truppen aus den östlichen Provinzen bestimmt. Das waren 9 Infanterie- und Reservedivisionen sowie Landwehrtruppen. 5 Ersatz-Divisionen, die für die Armee noch in Aussicht gestellt waren, konnten erst am 11. Mobilmachungstag (12. August) bereit stehen.
Der Grenzschutz lag zunächst in den Händen der aktiven Grenzkorps. Soweit diese demnächst nach dem Westen abgingen, wurde er später von Truppen zweiter Linie übernommen. Unter diesem Schutz sollten sich versammeln:
Das Landwehrkorps
in Schlesien und Posen, mit je einer Division an der Grenze gegenüber Tschenstochau und
Kalisch![]()
Die 6. Landwehr - Brigade
bei
Gnesen![]()
Die 3. Reserve - Division
bei
Hohensalza![]()
Die 70. Landwehr - Brigade
bei
Goßlershausen![]()
Das XVII. Armeekorps (Danzig)
bei
Deutsch-Eylau,
mit Grenzschutzabteilungen von Thorn bis westlich Soldau
Das XX. Armeekorps (Allenstein)
südlich
Allenstein,
mit Grenzschutzabteilungen anschließend an das XVII. Armeekorps bis südlich Margrabowa
Das I. Reservekorps
bei
Nordenburg![]()
Das I. Armeekorps (Königsberg)
bei
Gumbinnen,![]()
mit Grenzschutzabteilungen anschließend an das I. Reservekorps bis zur Küste
Die 1. Kavallerie-Division
östlich Gumbinnen![]()
Die 2. Landwehr- Brigade
bei
Tilsit
Solange die der 8. Armee unterstellten Festungen nicht selbst unmittelbar bedroht waren, konnte die Feldarmee aus ihnen verstärkt werden. Dafür kamen in Frage:
Aus Posen, Thorn und Königsberg etwa je eine Division. Aus Breslau und Graudenz etwa je eine gemischte Brigade, sämtlich mit schwerer Artillerie älterer Bauart. Dann noch einige Bataillone aus den Befestigungen von Kulm, Marienburg und Danzig.
Von den genannten Truppenverbänden waren nur die drei aktiven Armeekorps (I., XVII. und XX.), die 3. Reservedivision und die 1. Kavalleriedivision für den Kampfeinsatz im freien Feld ausgerüstet. Bei den übrigen Verbänden war die Ausrüstung zunächst nur auf örtliche Verwendung zugeschnitten.
Der Feind störte nirgends. Am 10. August war der Aufmarsch der für den Osten verfügbaren Kräfte beendet.